Dieter Hildebrandt und Stefan Hanitzsch standen uns zu einem Gespräch zur Verfügung. Dabei beantworteten sie Fragen zu ihrem Projekt “Stoersender.tv” - einem neuen TV-Programm, das ab kommendem Jahr im Internet präsentiert werden soll und von seinen Zuschauern über sogenanntes “Crowdfunding” finanziert wird. (Wir berichteten in diesem: <Artikel> )
Politropolis: Stoersender.TV ist ein Projekt, das unter der inhaltlichen Leitung des “altgedienten” Kabarettisten Dieter Hildebrandt und einem kleinen Redaktionsstab unter der Mitwirkung von Stefan Hanitzsch ins Leben gerufen wurde.
Dieter Hildebrandt: Ich habe nicht „gedient“. Alt gedient habe ich auch nicht. Weitgereist und lang gelebt würden auch zu mir passen.
Stefan Hanitzsch: Die Leitung von Redaktion und Organisation darf ich verantworten, es ist ja auch meine Idee. Es ist mir eine Ehre und ein großes Vergnügen, dass Herr Hildebrandt da mitwirkt und seine Popularität und Integrität sorgen für die nötige Aufmerksamkeit. Und natürlich hat er bei wichtigen Fragen ein Veto-Recht. Er ist so eine Art „Künstlerischer Aufsichtsrat“.”
Politropolis: Wer Herrn Hildebrandt kennt, weiss, das jedes seiner Worte mit bedacht gesetzt ist. Wenn der Projektname des Programmes „Stören“ als Sender-Konzept bezeichnet, beinhaltet dies gleichzeitig, dass Sie evtl. davon ausgehen, es sei ein gesellschaftlich-politischer Prozess im Gange, der nicht „gestört“ werden möchte.
Dieter Hildebrandt: „Es gab schon immer Prozesse, die nicht gestört werden möchten, welcher Prozess kann schon von sich sagen: „Ich will gestört werden?“ Man muss aber stören! Das habe ich eigentlich schon immer getan… in der Schule, in der Hitlerjugend, später dann auf der Bühne, da habe ich es immer geschafft, dass Leute von mir sagen: „Der geht mir so auf den Nerven!“, und ich habe mir gedacht, das muss man fortführen bis ins Alter, da kann man nicht so einfach aufhören. Die spannende Frage ist doch: Dieser Prozess, den Sie da ansprechen, wem wird der denn eigentlich gemacht? Dieser Frage werden wir auf den Grund gehen.
Stefan Hanitzsch: „Mir scheint es, als ob man der Demokratie diesen Prozess machen würde. Die Anklage lautet doch: Die Demokratie ist zu teuer. Arbeitnehmerrechte, der Sozialstaat, all das schmälert natürlich die Profite. Interessant ist, dass es oft gelingt, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Die FDP, als Klassensprecherin der oberen Kaste, sie hetzt zum Beispiel regelmäßig Geringverdiener gegen Hartz-IV-Empfänger auf. Und dann heißt es, die Hartz-IV-Bezüge seien zu hoch, dann fehle der Anreiz zum Arbeiten bei den Geringverdienern. Dass die Geringverdiener, wie der Name andeutet, zu wenig verdienen, tritt da in den Hintergrund. Natürlich spielt die BILD-Zeitung da gerne mit.
Politropolis: Wessen „Kreise“ möchte Stoersender.tv denn stören und wem will er kräftig in die Suppe spucken?
Stefan Hanitzsch: All jenen, die die Demokratie verwässern wollen. Wir wollen außerdem gerne mehr reinen Wein haben. Georg Schramm hat mal gefordert, dass wir die Politiker so lange abwählen sollen, bis sie uns wenigstens die Wahrheit sagen.
Dieter Hildebrandt: Na ich weiß nicht, ob die Suppe besser wird, wenn wir da hineinspucken. Aber vielleicht können wir ein wenig Farbe hineingießen, damit jeder gewarnt ist, dem man sie vorsetzt. Mich stört es zum Beispiel, dass ich nicht weiß, was ich esse. Es gibt da viele gute Bücher zum Thema. Zum Beispiel: „Die Suppe lügt.“ Das ist sicherlich eins der wichtigsten Themen.

Stoersender.tv: Lieber “Reiner Wein” statt “Demokratieverwässerung” – von li. n. re.: Stefan Hanitzsch, Frank-Markus Barwasser (alias Erwin Pelzig), Dieter Hildebrandt
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