Erdölkonzerne und Staat lachen sich ins Fäustchen. Mit allen möglichen Tricks wurde erreicht, dass ein erheblicher Anteil der Autofahrer tankt, ohne die Preise zu vergleichen.
Erfolgreiche Marketingstrategie durch verwirrende Preisgestaltung?
Wurde gezielt die Frustrationstoleranz der Autofahrer überreizt?
Oder mit bunten Werbemaßnahmen, Bonuskärtchen, Payback-Karten und Gewinnspielen das Autofahrergehirn weichgekocht?
Das Millionenspiel: Autofahrer lassen sich stets aufs Neue abzocken
Bis zu 10ct. pro Liter beträgt die Preisdifferenz an den Zapfsäulen im Auf-Und-Ab jeden Tag. Der erhöhte Spitzenpreis landet so als Extra-Gewinn in den Kassen der Erdölkonzerne und nicht zu vergessen: mehr als die Hälfte davon in den Staatskassen. Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt hier als Grafik:
40% aller Autofahrer tanken völlig achtlos – Resigniert oder uninformiert?
Wann hat es das zuletzt gegeben? Der ADAC kritisiert die Autofahrer, nach dem eine in Auftrag gegebene Studie vom Düsseldorfer „Institut für Wettbewerbsökonomie“ herausfand, dass ca. 40% der Spritkunden irgendwie beliebig tanken. Entweder, wenn der Sprit alle ist (43%) oder weil sie sowieso immer die selbe Tanke ansteuern. (40%) Der Automobilclub führt aus, man könne durch Preisvergleiche bis zu 10 ct./Liter einsparen. Wenn dies die Autofahrer gezielt umsetzen würden, könnten Sie durch ihre „Marktmacht“ die Preisspirale wieder nach unten drehen. Eine Iphone-App des Clubs soll den Mitgliedern bald dabei helfen. Vorsichtig kommt seine Kritik daher, stets bemüht, der eigenen Klientel nicht allzu sehr auf die Füße zu treten. (2)
Theoretische Marktmacht und praktische Ohnmacht
Zurecht ist die og. Kritik vorsichtig, denn der ADAC läßt außer Acht, was die erneut kritisierten Autofahrer täglich haben: Erhebliche Sachzwänge. Nicht jede Tankaktion kann ein bewusst gesteuerter Einkauf werden: Der Tank ist nicht immer planmäßig leer, oft herrscht Zeitmangel – aus beruflichen oder familiärem Streß wird da getankt, wo es gerade möglich ist. Völlig unbeachtet: Wer in Wohnortnähe nur 1 oder 2 Tankstelle(n) hat, die womöglich noch den gleichen hohen Preis haben, für den gibt es gar kein Ausweichen. Eine Fahrt über 10 oder mehr Kilometer zu der nächsten Geldabsaugzentrale macht ökonomisch kaum Sinn. Ganz abgesehen von der verbrauchten Freizeit, die auch nicht beliebig zur Verfügung steht.
Merkwürdig gleichzeitige Erhöhungen – Merkwürdig machtlose Kartellbehörde
Und genau da setzten die Kraftstoff-Verteiler-Organisationen an. Merkwürdig gleichzeitig begannen sie täglich mit statistisch ausgefeilten Methoden an der Preisschraube zu drehen, um noch ein paar mehr Cent vom abhängig-gemachten KFZ-Treiber abzuziehen. Unserem Staat, dem größten Sprit-Preis-Profiteur kann es nur recht sein. Seine Kartellbehördern scheitern schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten daran, die künstlich hohen Spritpreise, die uns vor jeden Feiertagen und Ferienzeiten aufgenötigt werden, zu verhindern, obwohl jedem Normaldenkenden die stets gleichen Begründungen, warum das dieses Mal wieder so sein muss schlicht und ergreifend gelogen vorkommen. Die Aktionen des deutschen Kartellamts, zuletzt im April gegen die Ölmultis vorzugehen , die anscheinend die Freien Tankstellen bekriegen (wieder mal) (4) werden erfahrungsgemäß wenig gegen die international agierenden Konzerne ausrichten.
Wissen Sie, wieviel Liter Kraftstoff in Deutschland pro Jahr getankt werden?
Wenn Sie einmal herumfragen, kann Ihnen kaum jemand eine Zahl sagen, noch nicht einmal geschätzt. Aber es sind astronomische ca. 46.000 Millionen Liter Kraftstoff *, die der deutsche PKW-Verkehr inländischer Fahrer jährlich verbraucht! Seit vielen Jahren ist diese Zahl relativ konstant(3), das entspricht einem Tages-Tank-Volumen von 126 Millionen Litern in Deutschland.
*Tabelle des Umwelt-Bundesamtes als PDF
Zahlenspiele – Jedes Jahr eine Mars-Mission?
Nehmen wir einmal an, dass die täglichen Preisspitzen von bis zu 10cent über dem günstigsten Anbieter nichts mit dem tatsächlichen Gesamtpreis des Sprits zu tun haben, sondern reine „Jongliermasse“ der am Profit Beteiligten sind, so summieren sich bei täglichen 126.000.000 Litern Reingewinne in Millionenhöhe, auf das Jahr gerechnet in Milliardenhöhe. Im Prinzip könnten die deutschen Autofahrer mit dem künstlich abgesaugten Geld jedes Jahr eine komplette „Mars-Mission“ finanzieren. (Die aktuelle Mars-Mission der Nasa kostete 2,5 Milliarden) Oder angenommen, wir hätten eine soziale Ader, könnten wir mit diesem Geld der deutschen Kraftstofftanker die Finanzierungs-Sorgen der Krippen, Kitas und Kindergärten beseitigen – oder andere dringende Projekte angehen?
für politropolis.de von Hans-Udo Sattler
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Quellen – weiterführende Links
(1) Preiszusammensetzung/Daten für Grafik aus: aral.de
(2) „Autofahrer verschenken ihr Geld“, ADAC-Motorwelt, 06-2012, Seite 10ff
(3) Kraftstoff-Verbrauch Deutschland: Als PDF-Tabelle, Internetseite des Bundes-Umweltamtes
(4) Süddeutsche Zeitung: Kartellamt geht gegen Ölmultis vor























Einige interessante Zahlen im Artikel, die ich nicht kannte. Danke!
Es ist die so simple wie effektive Masche, nicht wahr? Man sagt den Konsumenten “Tja, wenn ihr aufpassen würdet, könntet ihr weniger zahlen!” – In anderen Bereichen: “Kaufen Sie drei grosse Packungen, dann sparen Sie….”
Immer ist es der Konsument, der es in der Hand hat und schuld ist, wenn er nicht alle Tankstellenpreise kennt. Das hat den Vorteil, das über diejenigen, die mit ausgeklügelten Softare-Modellen die Preise manipulieren, wie immer es ihnen gefällt, nicht geredet werden muss.